Die 2000er Jahre: Strategien für Politik, Unternehmen und Gesellschaft

Das „Sonnenschiff“: Seit 2005 Sitz der Geschäftsstelle des Öko-Instituts in Freiburg.

Die politische und wissenschaftliche Beratung wird ausgeweitet – die Auseinandersetzung mit bundespolitischen Themen und die Beratung von Ministerien stehen nun im Mittelpunkt der Arbeit. Zusätzlich werden grenzübergreifende, komplexe Projekte für die Europäische Union – aber auch mit und für Unternehmen bearbeitet.

Das Öko-Institut wirkt bei der Einführung des Treibhausgas-Emissionshandels für die EU und die Bundesrepublik beratend mit und befasst sich mit Emissionshandelssystemen auf nationaler wie auch auf europäische Ebene. Zu den umfassenden Arbeiten gehören Stellungnahmen zum Grünbuch der EU-Kommission und Kommentierung der EU-Richtlinie, Erarbeitung der Grundlagen für die nationalen Allokationspläne, Studien zu Auktionierung, Benchmarks und Ausweitung auf den internationalen Flug- und Schiffsverkehr.

Nachhaltige Mobilität und Konsum werden als weitere Themenschwerpunkte erschlossen und die Unternehmensberatung für eine nachhaltige Entwicklung erweitert. Auftraggeber sind nun – neben politischen Institutionen auf Bundesebene und den Umweltverbänden – zunehmend auch die Europäische Union sowie Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen.

Das Projekt Renewbility analysiert erstmals umfassend integrierte Mobilitätsszenarien und ihre Auswirkungen auf die Treibhausgasemissionen. Auch untersucht das Öko-Institut in verschiedenen Forschungsvorhaben die Potenziale und Umweltauswirkungen von Elektromobilität sowie den Ressourcenbedarf und das Recycling von Elektrofahrzeugen. Die Themen Güterverkehr und Logistik werden ebenfalls zunehmend wichtiger: Zahlreiche Studien zu Emissionsvermeidungspotenzialen im Güterverkehr, Beratungstätigkeiten sowie die aktive Teilnahme an DIN- und CEN-Prozessen zur Entwicklung einer einheitlichen Methodik zur Berechnung von Treibhausgasbilanzen in der Logistik werden Teil der wissenschaftlichen Arbeit.

Mit Blick auf den nachhaltigen Konsum entsteht die Webseite EcoTopTen, die energieeffiziente und ökologische Produkte mit niedrigen Lebenszykluskosten empfiehlt. Die Kampagne soll Veränderungen im Kaufverhalten der Verbraucher und ökologische Produktinnovationen anregen.

Die Kooperation mit Unternehmen aus nahezu allen Branchen wird vom Öko-Institut weiter ausgebaut, wie etwa mit große Rohstoffkonzernen, Handelsunternehmen, Banken, Automobilherstellern und Telekommunikationsfirmen. Hinzu kommen europaweite Projekte mit Industrieverbänden, darunter den europäischen Verbänden zu Hausgeräten, Chemie und Kunststoff, um Branchenlösungen zu entwickeln. Im Auftrag der Europäischen Kommission wird an der Entwicklung von Kriterien für die Ökodesign-Richtline sowie an der EU-Richtlinie zur Beschränkung von gefährlichen Stoffen in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS) mitgearbeitet.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kritisieren weiterhin Unternehmen, die ihre nicht-nachhaltige oder sogar gefährliche Produktion und Arbeitsweisen fortführen – wie etwa die großen Energieversorger, die Betreiber von Atomkraftwerken oder die Agrogentechnikfirmen. Zugleich machen die Expertinnen und Experten Vorschläge für eine schärfere Regulierung, wie beim Chemikaliengesetz.

  Meilensteine der Arbeit des Öko-Instituts in diesem Jahrzehnt

  • Argumente gegen Genmais: Obwohl höchst umstritten, will Novartis in Deutschland Bt-Mais anbauen. Auf Grundlage eines Gutachtens des Öko-Instituts aus dem Jahr 2000 wird der Anbau verboten.
  • Um eine langfristige Finanzierung des Öko-Instituts zu garantieren und es „fit für das nächste Jahrtausend“ zu machen, gründet der Instituts-Vorstand 2000 die „Stiftung Zukunftserbe“.
  • Vorsitz der Reaktorsicherheitskommission: Michael Sailer wurde bereits 1999 als Mitglied in die Reaktorsicherheitskommission (RSK) berufen, die das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Atomfragen berät. Mit der Ernennung Sailers zum Leiter der RSK steht nun einer der „profiliertester Kritiker der Atomenergie in Deutschland“ und ein „Urgestein der Anti-Atom-Bewegung“ (Tageszeitung taz) jenem Gremium vor, das über die Sicherheit der AKWs in Deutschland wacht.
  • Studie „Global Energy Strategy“: Im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung stellt das Öko-Institut 2002 eine globale Energiestrategie beim World Summit on Sustainable Development in Johannesburg vor.
  • Studie zum EU-Weißbuch zur Neuordnung der EU-Chemikalienpolitik: Wesentliche Vorschläge aus dieser Studie des Öko-Instituts werden später in der REACH-Verordnung der EU umgesetzt.
  • „Das überholte Paradigma der Gentechnik“: Das Öko-Institut erstellt 2004 im Auftrag von Greenpeace ein Diskussionspapier, dass die Forschungsgrundsätze der Gentechnikbefürworter kritisch hinterfragt.
  • Rainer Grießhammer wird 2004 Mitglied im „Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen“ (WGBU), einem unabhängigen, wissenschaftlichen Gremium, das die Bundesregierung zu Klimaschutz und weltweiten Umweltproblemen berät.
  • 2005 berät das Öko-Institut die Bundesregierung und die EU in mehreren Projekten bezüglich der Umsetzung der Vorgaben des Kyoto-Protokolls.
  • Mitte der 2000er Jahre Start der Arbeit zu Umweltauswirkungen von Sportgroß­veranstal­tungen, die Umweltkonzepte für die Olympiabewerbungen von Leipzig 2012 und München 2018, Green Goal – Umweltprogramm für die Fußball-WM 2006 und die Frauen WM 2011 zur Folge haben. Das Projekt „Green Goal“ erarbeitete quantitative und qualitative Ziele für die Handlungsfelder Wasser, Abfall, Energie, Mobilität und Klimaschutz.
  • „Restrisiko“-Studie: Nach der Tschernobyl-Reaktorkatastrophe von 1986 sind weitaus mehr Störfälle in Kernkraftwerken aufgetreten als öffentlich wahrgenommen wurde – das zeigt die Restrisiko-Studie einer internationalen Expertengruppe unter Beteiligung des Öko-Instituts im Jahr 2007. Die Untersuchung, die in mehrere Sprachen übersetzt wird, ruft international ein großes Medienecho hervor.
  • Mogelpackung Ökostrom? In Deutschland wird 2008 über Etikettenschwindel bei „Grünem Strom“ diskutiert – das Öko-Institut schaltet sich ein.
  • Die neue Entsorgungskommission (ESK) wird mit der Aufgabe ins Leben gerufen, das Bundesumweltministerium in allen Fragen rund um die Entsorgung nuklearen Materials zu beraten. Die ESK setzt sich aus elf Wissenschaftlern zusammen, darunter die Öko-Instituts-Nuklearexperten Beate Kallenbach-Herbert, Christian Küppers und Michael Sailer, der zum Vorstand der ESK ernannt wird.
  • Erstellung von Klimabilanzen für Produkte: Ein Meilenstein ist hierbei das Pilotprojekt „Product Carbon Footprint“ (PCF), das 2008 in Kooperation mit zehn namhaften deutschen Unternehmen durchgeführt wurde.
  • Die Studie „Modell Deutschland – Klimaschutz bis 2050“ stellt 2009 detailliert dar, wie die Dekarbonisierung der deutschen Wirtschaft, also der Umbau zu einer klimaschutzsichernden Gesellschafts- und Wirtschaftsweise bis 2050 in Deutschland gelingen kann.
  • „Öko-Institut goes global“ ist Devise bis heute. Beispielprojekte dafür sind: Untersuchungen zu nachhaltiger Energienutzung auf dem afrikanischen Kontinent, Vorhaben zur weltweiten Standardsetzung bei der Nutzung von Biomasse oder die Evaluation der Umweltbewertung des Uranabbaus in Namibia.
  • Analysen zum Stromsektor, darunter marktorientierte, realitätsnahe Modellierungen von Stromsystemen, wissenschaftliche Bewertung zu geplanten Kohlekraftwerken, Studien zur Konzentration auf den Energiemärkten, Berechnungen zu Gewinnmitnahmen der Energieversorgungsunternehmen, Analysen zu Strompreisen und Versorgungssicherheit vor dem Hintergrund des Atomausstiegs, Beratung zu Carbon Capture and Storage (CCS).
  • Umwelt und Tourismus: Mit der Erarbeitung eines Grundlagenberichtes für die Bundesregierung erschließt das Öko-Institut das Themenfeld nachhaltiger Tourismus. Das BMBF-Verbundvorhaben „Nachhaltiges Wirtschaften im Tourismus“ setzt Standards für die zielgruppenorientierte Markteinführung nachhaltiger Reiseangebote.
  • Zahlreiche Studien und Beratung zum Thema Unternehmensverantwortung, Corporate Social Responsibility (CSR), unter anderem für die Europäische Kommission, Verbraucherverbände sowie Ausrichtung internationaler Tagungen. Aktuelle Leitung eines sehr EU- Projektes zur Wirkung von CSR bei und durch Unternehmen (Impact).
  • Das Öko-Institut ergreift die Initiative, die Gestaltung eines Umweltgesetzbuches gemeinsam mit den Umweltverbänden zu begleiten: Mit der Deutschen Umwelthilfe (DHU) und dem Unabhängigen Institut für Umweltfragen (UfU) werden Veranstaltungen und öffentliche Diskussionen organisiert, der Prozess fachlich bewertet sowie die Ergebnisse allgemeinverständlich aufbereitet.
  • Beratungstätigkeiten für die nachhaltige Ausrichtung von Unternehmen. In diesem Zusammenhang unterstützte das Öko-Institut die Daimler AG, Veolia Environment, Henkel, DB Schenker, REWE Group, METRO Group, Haniel und andere, häufig verbunden mit der Entwicklung von Klimaschutzstrategien zur Reduktion von Treibhausgasen.
  • Erarbeitung der wissenschaftlichen Grundlagen für die Vergabekriterien des „Blauen Engels“, das mit dem Zusatz „Schützt das Klima“ energiesparende und umweltfreundliche Produkte auszeichnet (Kooperation mit den Instituten IFEU und Ökopol sowie im Auftrag des Umweltbundesamtes).

Zum Überblick über die 1970er Jahre am Öko-Institut.

Zum Überblick über die 1980er Jahre am Öko-Institut.

Zum Überblick über die 1990er Jahre am Öko-Institut.

Weitere Teile der Reihe „40 Jahre Öko-Institut“ – Highlights aus der Institutsgeschichte lesen Sie in Kürze hier im Blog.

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