„Ich wünsche mir, dass Paris nachhaltig Wirkung zeigt“

Anke Herold

Meine Wünsche haben sich seit der 1. Klimaschutzkonferenz 1995 in Berlin kaum verändert: dass wir ein globales Abkommen erreichen, alle Länder sich zu Minderungszielen verpflichten, sich daran halten und wir es schaffen, die durchschnittliche globale Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu beschränken. Ein Teil davon ist bereits in Erfüllung gegangen: Seit der Klimakonferenz in Paris Ende 2015 haben wir ein globales Abkommen, an dem alle Länder beteiligt sind. Bisher haben schon 168 Länder ratifiziert, insgesamt 191 Länder hatten nationale Minderungsziele eingereicht.

Leider reicht das, was bisher versprochen wurde, noch nicht. Die Minderungsziele sind nicht ehrgeizig genug, um das 2-Grad-Ziel zu erreichen, da gibt es erhebliche Lücken. Hinzu kommt, dass wir teils gar nicht genau wissen, was bisher umgesetzt wurde. Die Messmethoden, die Berichterstattung der einzelnen Länder und auch die unabhängige Überprüfung der Daten sind bei weitem noch nicht so, wie sie im Idealfall sein sollten. 1995 wurde beschlossen, dass nur die Industrieländer umfassende Daten übermitteln müssen, die Entwicklungsländer wurden davon weitgehend ausgenommen. Das wir also über 20 Jahre nach der Verabschiedung der Klimarahmenkonvention von einem Großteil der Länder noch keine gesicherten Daten haben, ist absurd.

Natürlich haben ärmere Länder weniger Ressourcen und werden weniger umfassende Daten zusammentragen. Es geht auch nicht darum, die kleinste Insel mit ein paar Kilotonnen Emissionen umfassend zu erfassen. Aber einige große Länder wie Indien, China oder Brasilien gelten im Klimaschutzabkommen auch als Entwicklungsländer. Die letzten hier vorliegenden Daten sind von 2005 – und sie wurden nicht überprüft. Dabei wäre gerade die unabhängige Überprüfung so wichtig für die Glaubwürdigkeit des ganzen Prozesses.

Aber es gibt Hoffnung. 2015 in Paris wurde ein stärkeres Transparenzsystem beschlossen, das für alle Länder gleichermaßen gelten soll. Zudem ist festgelegt, dass die Ziele alle fünf Jahre aktualisiert werden müssen und dabei nicht hinter das bereits Versprochene zurückfallen dürfen. Ich wünsche mir, dass das, was da angelegt wurde, wirklich umgesetzt wird. Und auch wenn das nicht einfach wird, habe ich die Hoffnung, dass die Beschlüsse von Paris eine Initialzündung waren und eine neue globale Dynamik in Gang gesetzt haben, der sich die einzelnen Länder nicht entziehen können. Es gibt bereits viele konkrete Pläne für Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz, nachhaltige Landwirtschaft und vieles mehr. Das alles hat das Potential, dass sich daraus mehr entwickelt – und eine größere Minderung zustande kommt als im Moment absehbar.

Anke Herold ist Forschungskoordinatorin für Internationale Klimapolitik am Standort Berlin.

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